Bleibt das KiBu auf der Strecke?

All-Age-Bücher dominieren: Bleibt das Kinderbuch auf der Strecke?

Rede zur Pressekonferenz »Trendbericht Kinder- und Jugendbuch« Leipzig, 2010
von Ulrich Störiko-Blume, avj-Vorstandsvorsitzer 2010-2012


Das Angebot der Kinder- und Jugendbuchverlage richtet sich an alle.

Großen Anteil an der positiven Entwicklung der Kinder- und Jugendbuchverlage haben die sogenannten All-Age-Bücher. Sie werden ungeachtet der meist jugendlichen Protagonisten auch stark  von Erwachsenen gelesen. Viele der oft umfangreichen und deshalb auch teuren Romane zählen zum Fantasy-Genre.
Eine solche erhebliche Verstärkung der wirtschaftlichen Bedeutung stellt zugleich eine Erweiterung der Kompetenz der Kinder- und Jugendbuchverlage dar; diese Branche schafft und befriedigt Nachfrage aus allen Schichten und Altersklassen der Gesellschaft. Zugleich werden die angestammten Segmente weiterhin gepflegt und ausgebaut.

Das Bilderbuch ist und bleibt der Einstieg in eine lesende Gesellschaft.
Auch das Bilderbuch hat 2009 mit fast 4% noch stärker als der Gesamttrend des Buchmarkts zugelegt. Der Umgang mit dem Buch kann gar nicht früh genug praktiziert werden. Hier zahlt sich aus, dass die kontinuierliche Arbeit mit Bilderbuchklassikern eine gute Basis für die Förderung neuer
Talente ist. Unter den 50 bestverkauften Kinder- und Jugendbüchern des Jahres 2009 befinden sich immerhin 3 Bilderbücher.

Kinder brauchen Kinderbücher.
Zwar stehen 16 Kinderbücher auf der Liste der 50 bestverkauften Kinder- und Jugendbücher des Jahres 2009, doch das Segment verzeichnete insgesamt 2009 kein Wachstum. Dass es auch hier, im Kernbereich des Kinder- und Jugendbuchs, wieder vorangehen möge, ist ein gemeinsames Anliegen
der Verlage, Buchhandlungen und Autoren. Jeder erinnert sich ein Leben lang an einige Kinderbücher, die er heiß und innig geliebt hat. Das können gleichermaßen berühmte, preisgekrönte literarische Klassiker wie einfache Serientitel sein. Entscheidend ist, dass Kinder sich unter einem großen Angebot das auswählen können, das sie lieben.

Die Förderung der Lesefreude der Grundschulkinder darf sich nicht im Didaktischen erschöpfen. Mit einfachen Texten kann man zwar lesen lernen, aber nur mit gut erzählten Geschichten lernt man das Lesen lieben. Kinder brauchen Kinderbücher! - das muss der verantwortungsvolle Erwachsene
wissen. Kinder lieben Kinderbücher! - das wird das Ergebnis sein, wenn wir die richtigen Bücher anbieten und als Erwachsene selbst eine Kultur des Lesens betreiben. Der französische Autor Daniel Pennac hat das wunderbar auf den Punkt gebracht, indem er erklärt, dass "lesen" ebensowenig wie "lieben" einen Imperativ verträgt.
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