Jugend ohne Buch?
Pressekonferenz Trendbericht 2013 Leipzig
Rede zur Pressekonferenz »Trendbericht Kinder- und Jugendbuch« Leipzig, 2013 von Renate Reichstein, avj-Vorstandsvorsitze 2013-2015

"Die 12- bis 16jährigen findet man nicht in der Buchhandlung." So beginnt ein Vertreterbericht über die Frühjahrsreise 2013. Damit ist bereits eines der Problemfelder umrissen, mit denen Verlage, Buchhandlungen und mit ihnen die Bücher für Jugendliche zu kämpfen haben.

Die Mitgliedsverlage der avj publizierten in ihren Herbstprogrammen 2012 insgesamt 231 Neuerscheinungen für 7 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 12 und 19 Jahren, von denen 23% - laut JIM Studie - angeben, täglich ein Buch zu lesen: 1.6 Mio tägliche Leser! Dieses Mengen-Missverhältnis lässt sich durch das tatsächliche Leseverhalten dieser Jugendlichen erklären.

Sie lesen mehrheitlich eben nicht die als "Jugendbücher" deklarierten Artikel, sondern orientieren sich stark am Angebot für erwachsene Leser. So werden von Befragten in der JIM Studie neben "Harry Potter", "Twilight / Bis(s)" und "Tribute von Panem" eben auch "Schoßgebete" und Klassiker wie "Wilhelm Tell" genannt.

192 der Herbst-Neuerscheinungen sind als "Jugendbuch" deklariert, obwohl man nicht wenige von ihnen eher für Leser ab 11 Jahren empfehlen würde. Der Trend geht offenbar allgemein dahin, Bücher altersmäßig hoch zu stufen, weil sie dadurch für ihre tatsächlichen Leser erheblich an Attraktivität gewinnen. Entsprechend hätte man vor Jahren die 39 heute explizit als all-age-Neuerscheinungen ausgewiesenen Titel zu einem Großteil als "Jugendbücher" deklariert.

Die Lesefähigkeit der Jugendlichen wird gar nicht in Zweifel gezogen. Fraglich aber ist, wie diese Zielgruppe deutlich stärker für die Lektüre von Ganzschriften interessiert werden kann. Laut BuBiZ 2012 geben 44% der Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren an, täglich bzw mehrmals pro Woche ein Buch zu lesen. Vorwiegend sind dies Schüler weiterführender Schulen. Die Zahlen machen Mut, insbesondere auch vor dem Hintergrund der großen Medienkonkurrenz und zeigen, dass die Verlage sich noch sehr viel genauer mit den Vorlieben und Gewohnheiten ihrer möglichen Kunden und Leser beschäftigen müssen.

Obwohl nur 2% der Jugendlichen angeben, regelmäßig e-books zu lesen, bieten die avj Mitgliedsverlage bereits 70% ihrer Produktionen in digitaler Form an. Mit dieser Angebotsentwicklung machen sich die Verlage fit für den prognostizierten und sich schon partiell andeutenden Wandel der Lesegewohnheiten gerade der älteren Jugendlichen.

Es wird die große Herausforderung der Kinder- und Jugendbuchverlage in den nächsten Jahren sein, sich intensiv mit den Erwartungen und Befindlichkeiten der Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren zu befassen und entsprechend ihre Programmangebote auszurichten. DEN Jugendlichen gibt es nicht mehr. Es gibt noch 12jährige und 13jährige, die mit entsprechend konzipierten Jugendbüchern interessiert werden können.

Die 14jährigen fühlen sich heute schon sehr erwachsen und meiden alles, was unter dem falschen Etikett daher kommt. Mit speziellen Imprints oder neuen Labels versuchen Verlage, sich neu und speziell für diese Zielgruppe aufzustellen. Und sie haben Erfolg damit!
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